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Das Naturwaldreservat (NWR) Wettersteinwald

Nachricht vom:

Eine Wiederholungsaufnahme der Vegetation in diesem NWR ergab spannende Erkenntnisse und ist in einer kurzweiligen Videodokumentation dargestellt.

Beschreibung des Bildelements: Foto: T. Kudernatsch, LWF

Schon seit knapp 50 Jahren entwickelt sich das Naturwaldreservat Wettersteinwald ohne menschlichen Einfluss und ist allein sich selbst, d. h. der Natur überlassen.
Der Wettersteinwald wurde 1978 als Naturwaldreservat ausgewiesen. Es liegt im bayrischen Wettersteingebirge, östlich von Garmisch-Partenkirchen. Genauer gesagt im mittleren Abschnitt der Wettersteinwand, südwestlich von Schloss Elmau.

Der Wettersteinwald ist ca. 45 ha groß und hat in der Nord-Süd-Ausdehnung über einen Kilometer Länge einen Höhenunterschied von 450 Metern (1.390 - 1.850 m). Die felsigen Abbrüche des Berges Kämikopfs gliedern das Naturwaldreservat in zwei Bereiche.

Der Wettersteinwald ist im Wesentlichen ein submontaner Fichtenwald. Die Fichten dominieren hier den unteren, sehr schattigen und frischen Bereich. In den Höhenlagen zwischen 1.400 - 1.700 m bilden Fichten mit mehr als drei Metern Stammumfang ein durchgehendes, grünes Dach. Die oberen Höhenlagen werden von Zirben besiedelt. Diese gelten als ein reliktisches Vorkommen der Waldgesellschaft eines Carbonat-Lärchen-Zirbenwaldes. Der obere Waldsaum der Zirben stößt an die nackten Felsen der Wettersteinwand.

Doch nicht nur in der Pflanzen- und Baumartenvielfalt hat der Wettersteinwald viel zu bieten. Auch in der Welt der Insekten wurden hier tolle Entdeckungen gemacht. Im Rahmen einer Untersuchung der Totholzkäferfauna wurden 2014 erstmals in Deutschland zwei Exemplare von Ernobius explanatus entdeckt. Der Pochkäfer besiedelte zuvor den österreichischen Karwendel und ist hauptsächlich im Boreal Nord- und Osteuropas bis Asien zu finden.

Doch hält der Wald auch dem Klimawandel stand?

Um die Veränderungen im Wetterstein über die Jahre hinweg feststellen zu können, haben Forstwissenschaftler im Jahr 1986 erstmals alle Pflanzen in dem Wald kartiert. Hierzu wurde der gesamte Wald mit einem 100 x 100 m Raster belegt und für jedes Raster wurden alle Pflanzen- und Baumarten aufgenommen.
In diesem Jahr (2022) haben Forstwissenschaftler die damals kartierten Raster noch einmal unter die Lupe genommen und festgehalten, welche Pflanzen- und Baumarten heute – 36 Jahre später dort wachsen.

Die Wissenschaftler haben festgestellt, dass sich durch den Klimawandel und die damit einhergehende Erhöhung der Durchschnittstemperatur die Höhengrenzen der Baumarten verschieben. Die Buche findet heute knapp 100 Höhenmeter (an manchen Stellen auch 200 Hm) weiter oben Lebensbedingungen, unter denen sie auch in dieser Höhenlage wachsen kann. Und sie haben pro Raster fast 100 verschiedene Pflanzenarten gefunden - ein Drittel mehr als bei der Ersterfassung. Auch in den Höhenlagen der Zirben konnte eine höhere Anzahl an Arten dokumentiert werden.

Doch weitere Indizien, die die Veränderung des Waldes auf den Klimawandel zurückführen lassen gibt es bislang nicht.   

Aufgrund der vielfältigen Arten-Zusammensetzung scheint das Ökosystem Bergwald langsamer auf den Klimawandel zu reagieren und somit sehr widerstandsfähig zu sein.
Ob alleine der Klimawandel für die Vegetationsverschiebung im Wettersteinwald verantwortlich ist, lässt sich bislang wissenschaftlich noch nicht belegen. Hierzu müssen die neuen Aufnahmen mit den bisherigen Daten zunächst noch wissenschaftlich ausgewertet werden.

Sie wollen mehr wissen? Dann finden Sie weitere, anschauliche Informationen zu dem Naturwaldreservat Wettersteinwald und den Auswirkungen des Klimawandels in diesem Video.

Eine Übersicht der Eckdaten des Naturwaldreservates Wettersteinwald finden Sie hier.