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Nationales Inventar

Fichte

13. Picea abies (L.) Karst. - Fichte

a) Allgemeine Bemerkungen

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Fichte umfaßt in Deutschland die Alpen, das Alpenvorland sowie die Hochlagen des Schwarzwaldes und der herzynisch-karpatischen Mittelgebirge. Aus klimatischer Sicht belegt die Fichte eine große Amplitude. Besonders empfindlich ist sie jedoch gegenüber Sommerdürre. Die Fichte erreicht im Harz Höhenlagen bis 1000 m, in den Bayerischen Alpen bis 1800 m ü.NN.

Die Fichte ist aus dem dinarischen und dem karpatischen Refugium auf verschiedenen Wegen in die deutschen Gebirge eingewandert. Die Fichte weist eine hohe phänotypische und genetische Variabilität auf. Herkunftsversuche und genetische Analysen haben vielfältige Unterschiede ergeben, die sich mit der ökologischen und geographischen Differenzierung sowie der Verbreitungsgeschichte erklären lassen. In den Hochlagen insbesondere der Alpen stocken in größerem Umfang autochthone Bestände.

Die Fichte ist vor allem in den Mittelgebirgen Mitteleuropas die wirtschaftlich wichtigste Nadelbaumart. Sie wurde in großem Umfang auch außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebiets angebaut. Nicht standortgerechter Anbau in Reinbeständen und die Wahl nicht angepaßter Herkünfte haben in der Vergangenheit zu Problemen in der Fichtenwirtschaft geführt.

Aus diesen Gründen und unter Bezug auf die Ergebnisse der Herkunftsuntersuchungen ist eine differenzierte horizontale und vertikale Ausscheidung von Herkunftsgebieten erforderlich.

b) Begründung für die Ausweisung der Herkunftsgebiete

01 Norddeutsches Tiefland:

Das Herkunftsgebiet 01 ist geprägt durch ein ozeanisch bis subozeanisches Tieflandklima mit langen Vegetationszeiten, hoher Luftfeuchte, milden Wintern und geringen Schneelagen. Es liegt außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebiets der Fichte, mit Ausnahme einzelner Exklaven in der Lüneburger Heide.

02 Mittel- und Ostdeutsches Tiefland außer Niederlausitz:

Das Herkunftsgebiet 02 weist ein subkontinentales Tieflandklima mit geringer Luftfeuchte auf. Es liegt außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebiets. Die Fichte hat hier nur eine geringe Bedeutung.

03 Niederlausitz:

Im Herkunftsgebiet 03 herrscht ein subkontinentales Tieflandklima. Auf grundwasserbeeinflußten Standorten kommt die Fichte jedoch von Natur aus vor. Die 'Niederlausitzer Tieflandsfichte' weicht in Kronenform und Frosthärte (spättreibend) stark vom Nachbarvorkommen in den Herkunftsgebieten 14 bis 16 ab.

04/05 Rheinisches und Saarpfälzer Bergland sowie Oberrheingraben:

Das Rheinische und Saarpfälzer Bergland mit seinem ozeanischen Klima ist der mildere Teil des Westdeutschen Berglandes. Der Oberrheingraben ist besonders wärmebegünstigt. Die Herkunftsgebiete 04 und 05 gehören nicht zum natürlichen Verbreitungsgebiet der Fichte. Die Bestände im Bergland sind aus Saatgut verschiedener Ursprungsgebiete hervorgegangen. Im Oberrheingraben ist die Fichte kaum von Bedeutung.

04: Mit dem Herkunftsgebiet 04 werden der Oberrheingraben und die kolline bis submontane Stufe (bis 500 m) gegenüber den höheren Berglagen abgegrenzt.

05: In der montanen bis hochmontanen Stufe (über 500 m) wird die Fichte in großem Umfang angebaut. Es besteht eine erhöhte Frost-, Schneebruch- und Eisbruchgefahr, an die die Fichte phänotypisch (Kronenform, Austriebszeitpunkt) angepaßt ist. Dies gilt insbesondere für ältere Bestände.

06/07 Weser- und Hessisches Bergland:

Die Herkunftsgebiete 06 und 07 mit ihrem subozeanischen Berglandklima sind der kühlere Teil des Westdeutschen Berglandes. Sie liegen außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebiets mit Ausnahme einer Exklave im Harzvorland Westerhof. Vermutlich stammen die künstlichen Anbauten zu großen Teilen von Ursprungsmaterial aus dem Thüringer Wald und dem Harzvorland.

06: Mit dem Herkunftsgebiet 06 wird die kolline bis submontane Stufe gegenüber den höheren Lagen abgegrenzt. Hier befinden sich auch die autochthonen Bestände bei Westerhof.

07: In der montanen bis hochmontanen Stufe wird die Fichte in großem Umfang angebaut. Es besteht eine erhöhte Frost-, Schneebruch- und Eisbruchgefahr.

08/09/10 Harz:

Der Harz ist das höchste nordwestdeutsche Mittelgebirge. Der zeanische Einfluß steigt von Südost nach Nordwest sowie mit der Höhe. Der Harz stellt eine Exklave des natürlichen Verbreitungsgebiets der Fichte dar. über Jahrhunderte wurde die Fichte jedoch künstlich verjüngt.

08: Die kolline Stufe (bis 400 m) ist durch ein milderes Klima geprägt.

09: Bei der submontanen bis montanen Stufe (400-700 m) handelt es sich um die Schneebruchzone.

10: Im rauhen Klima der hochmontanen Stufe (über 700 m) (Eisbruchzone) stocken angepaßte, jedoch nur noch in Einzelfällen autochthone Hochlagenbestände.

11/12 Thüringer Wald und Frankenwald:

Die Herkunftsgebiete 11 und 12 weisen ein subozeanisch bis subkontinentales Berglandklima auf. Sie zählen zu dem Bereich des natürlichen Verbreitungsgebiets, in dem sich Fichten bei der Rückwanderung aus dem karpatischen und dem dinarischen Refugium gemischt haben. Isoenzym-Untersuchungen haben eine von der Höhe abhängige Verteilung der genetischen Muster aufgezeigt. Unter Berücksichtigung des differenzierten Einflusses der Massenerhebung in den verschiedenen Gebirgen und seiner Auswirkungen auf die Lage der Schnee- und Eisbruchzone wurde die Höhengrenze bei 600 m bzw. 700 m festgelegt.

11: In den höheren Lagen der kollinen bis submontanen Stufe liegt die Naßschneezone.

12: In der montanen bis hochmontanen Stufe besteht Bruchgefahr durch Duft- und Eisanhang.

13 Vogtland und Ostthüringisches Hügelland:

Im Herkunftsgebiet 13 herrscht ein subkontinentales Klima der submontanen Stufe. Lokale Fichtenvorkommen bilden die Nordgrenze des natürlichen Verbreitungsgebiets. Die Fichten sind aus dem karpatischen Refugium eingewandert. Auf eine Höhenstufung wird verzichtet, da Höhenlagen über 500 m selten erreicht werden.

14/15/16 Sächsisches Bergland:

Die Herkunftsgebiete 14, 15 und 16 sind durch ein subkontinentales Berglandklima geprägt. Die Fichte ist aus dem karpatischen Refugium eingewandert. Die an die unterschiedlichen Höhenlagen angepaßten Fichten weisen hiervon abhängige phänotypische Merkmale auf.

14: Mit dem Herkunftsgebiet 14 wird die kolline bis submontane Stufe (bis 500 m) gegenüber den höheren Lagen abgegrenzt.

15: In der montanen Stufe (500-800 m) besteht Schneebruch- und Rauhfrostgefahr. Das Herkunftsgebiet 15 wurde aufgrund von den Herkunftsgebieten 14 und 16 abweichender phänotypischer Merkmale (Verzweigungsform, Stabilität gegenüber Schneebruch, Wuchsleistung) ausgewiesen.

16: In der hochmontanen Stufe (über 800 m) steigt die Rauhfrost- und Sturmgefahr. Mit dem Herkunftsgebiet 16 werden angepaßte Hochlagenbestände abgegrenzt.

17 Neckarland und Fränkisches Hügelland:

Das Herkunftsgebiet 17 zeichnet sich in der kollinen Stufe durch eine besondere Wärmebegünstigung aus. Zur Alb hin nehmen die Niederschläge zu. Die Fichte kommt hier von Natur aus nicht vor.

18/19 Fichtelgebirge und Oberpfälzer Wald:

Die Herkunftsgebiete 18 und 19 sind durch ein kühl-trockenes subkontinentales Berglandklima mit starken Spätfrösten und warmen Sommern gekennzeichnet. Die Fichte ist über den Ostalpenweg aus dem dinarischen Refugium eingewandert.

18: Das Herkunftsgebiet 18 umfaßt die kolline bis submontane Stufe (bis 800 m). In den oberen Lagen des Herkunftsgebiets 18 besteht Schneebruchgefahr.

19: Bestände der montanen bis hochmontanen Stufe (über 800 m) sind durch Rauhfrost gefährdet.

20/21/22: Bayerischer Wald:

In den Herkunftsgebieten 20, 21 und 22 herrscht ein kühl-feuchtes subozeanisch bis subkontinentales Berglandklima mit strengen Wintern. Die Fichte ist über den Ostalpenweg aus dem dinarischen Refugium eingewandert. Sie kommt von Natur aus von den Tallagen bis in die Gipfelbereiche vor. Feldversuche und biochemische Analysen bestätigen die gewählte Höhengliederung.

20: Die kolline bis submontane Stufe (bis 800 m) unterhalb der Inversionsgrenze weist höhere Temperaturen und geringere Niederschläge auf.

21: Die Bestände der montanen Stufe (800-1100 m) sind schneebruchgefährdet.

22: In der hochmontanen Stufe (über 1100 m) fallen hohe Niederschläge und die Winter sind schneereich. Die überwiegend autochthonen Bestände weisen die typische Platten- und Säulenform der Hochlagen auf.

23/24 Schwarzwald:

Die Herkunftsgebiete 23 und 24 weisen ein stark topographisch differenziertes Berglandklima auf. Westlich exponierte Lagen sind ozeanisch geprägt mit hohen Niederschlägen und verhältnismäßig milden Wintern. Die Baar ist subkontinental getönt mit häufigen Spät- und Frühfrösten. Der West- und Südteil des Schwarzwaldes ist wärmebegünstigt. Der Schwarzwald, in den die Fichte aus dem dinarischen Refugium eingewandert ist, gehört zum natürlichen Verbreitungsgebiet. Mit der Abgrenzung der Herkunftsgebiete 23 und 24 werden Herkünfte aus den Schneebruchlagen von den Hochlagenherkünften getrennt.

23: In der kollinen bis montanen Stufe (bis 900 m) gibt es keine autochthonen Bestände.

24: In der hochmontanen Stufe (über 900 m) gibt es einige autochthone Hochlagenbestände.

25 Schwäbisch-Fränkischer Wald:

Das Herkunftsgebiet 25 hebt sich topographisch aus dem übrigen Neckarland empor und es werden niedrigere Temperaturen und höhere Niederschläge verzeichnet. Der Schwäbisch-Fränkischer Wald stellt eine Exklave des natürlichen Verbreitungsgebiets der Fichte mit vermutlich autochthonen Restpopulationen im Ostteil dar.

26 Alb:

Das Herkunftsgebiet umfaßt die Schwäbische und Fränkische Alb und weist ein rauhes, subozeanisch bis subkontinentales Berglandklima mit höheren Niederschlägen als im Herkunftsgebiet 17 auf. Es kann davon ausgegangen werden, daß aufgrund der langen Anbaugeschichte der Fichte auf der Alb bereits lokale Anpassungsvorgänge stattgefunden haben.

27 Alpenvorland:

Das Herkunftsgebiet 27 ist gekennzeichnet durch die aufgrund des Alpenstaus von der Donau zu den Alpen hin steigenden Niederschläge und die nach Osten zunehmende Kontinentalität. Hier existieren kleinere isolierte und größere geschlossene, natürliche Fichtenvorkommen. Die Fichte ist über die Alpen aus dem dinarischen Refugium eingewandert.

28/29/30 Alpen:

Die Herkunftsgebiete 28, 29 und 30 sind gekennzeichnet durch die nach Osten zunehmende Kontinentalität und die Besonderheiten des Alpenklimas. In den Alpen wurde eine phänotypische und genetische Variation in Abhängigkeit von der Höhenlage nachgewiesen. Die Fichte ist aus dem dinarischen Refugium eingewandert.

28: Die Bestände der submontanen Stufe (bis 900 m) unterhalb der Inversionsgrenze sind zum überwiegenden Teil nicht autochthon.

29: Auch in der montanen bis obermontanen Stufe (900-1300 m) überwiegen die nicht autochthonen Bestände.

30: In der subalpinen Stufe (über 1300 m) überwiegen autochthone Hochlagenbestände, die mit zunehmender Höhe immer stärker an die extremer werdenden Bedingungen angepaßt sind.

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