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Nationales Inventar

Kiefer

14. Pinus sylvestris L. - Kiefer

a) Allgemeine Bemerkungen

Das große, aufgesplitterte Verbreitungsgebiet der Kiefer weist auf die weite physiologische Amplitude dieser Baumart hin. In Nord- und Mitteldeutschland verläuft die Westgrenze des geschlossenen natürlichen Kiefernvorkommens etwa auf der Linie Lauenburg - Thüringer Wald. Westlich dieser Linie existieren noch verschiedene Reliktvorkommen mit speziell angepaßten Herkünften. In Süddeutschland bestehen mehrere räumlich voneinander getrennte Kiefernvorkommen. Die Kiefer ist hauptsächlich in den Ebenen verbreitet. Sie kommt aber auch in den Mittelgebirgen bis 950 m und den Bayerischen Alpen bis 1500 m ü.NN vor.

Die Kiefer ist im ostdeutschen Tiefland die Baumart mit der größten Bedeutung. Sie wurde in Deutschland weit über ihr natürliches Verbreitungsgebiet hinaus angebaut.

Die Kiefer ist eine besonders formenreiche Nadelbaumart. Schon kurz nach der Jahrhundertwende wurde die Bedeutung der Herkunft für den Kiefernanbau erkannt. Seither haben umfangreiche Herkunftsversuche dies bestätigen können. Danach sind Kiefern in ozeanisch beeinflußten Gebieten sowie Höhenkiefern in Tieflagen sehr schütteanfällig. Astigkeit und Form sind vermutlich stark genetisch kontrolliert. Die Holzgüte nimmt nach Osten hin zu.

b) Begründung für die Ausweisung der Herkunftsgebiete

01 Nordsee-Küstenraum und Rheinisch-Westfälische Bucht:

Das Herkunftsgebiet 01 ist gekennzeichnet durch ein ozeanisches Tieflandklima mit hoher Luftfeuchte und milden Wintern. Die Kiefer tritt hier von Natur aus nicht oder nur in einzelnen Reliktvorkommen (z.B. im Ostmünsterland) auf. Im Herkunftsgebiet 01 ist sie schlechter geformt und stärker schüttegefährdet als östliche Herkünfte. Schleswig-Holstein wurde, weil die Kiefer überwiegend auf der Geest stockt und in ihren Eigenschaften den Küstenbeständen vergleichbar ist, bis auf Teile Lauenburgs dem Nordwestdeutschen Tiefland zugeordnet (siehe auch Douglasie und Weißtanne).

02 Mecklenburg:

Das Herkunftsgebiet 02 ist geprägt durch ein subozeanisches Tieflandklima mit einem von Nord nach Süd abnehmenden Einfluß der Ostsee. Die Kiefer ist hier von Natur aus vertreten und zeigt deutlich bessere Qualitäten als im Herkunftsgebiet 01. Dies gilt auch für den östlichen Teil Lauenburgs, der in das Herkunftsgebiet 02 einbezogen wird.

03 Heide und Altmark:

Das Herkunftsgebiet 03 weist ein subozeanisch bis subkontinentales Tieflandklima mit nach Südosten allmählich zunehmender Kontinentalität auf. Die Westgrenze der natürlichen Verbreitung verläuft in diesem Herkunftsgebiet durch das östliche Niedersachsen. Westlich dieser Grenze bestehen wahrscheinlich einzelne autochthone Exklaven.

04 Mittel- und Ostdeutsches Tiefland:

Das Herkunftsgebiet 04 weist ein subkontinentales Tieflandklima mit geringerer Luftfeuchte auf. Es liegt im natürlichen Verbreitungsgebiet der Kiefer. Autochthone Bestände sind selten, weil statt der Naturverjüngung Saat und Pflanzung angewendet wurden. Der künstliche Anbau fand jedoch überwiegend mit Vermehrungsgut aus der Region statt. Deshalb sind die Kiefernbestände des Herkunftsgebiets 04 relativ einheitlich, so daß auf eine weitere Unterteilung dieses Herkunftsgebiets verzichtet werden kann.

05/06 Westdeutsches Bergland:

Die Herkunftsgebiete 05 und 06 sind durch ein ozeanisch bis subozeanisches Klima geprägt. Die Kiefer kommt von Natur aus nur isoliert im Pfälzerwald, im Hessischen Bergland und im Harz vor. Diese Vorkommen sind lokal angepaßt, haben aber unterschiedliche phänotypische Merkmale.

05: In der kollinen bis submontanen Stufe hat die Kiefer oft eine geringere Qualität.

06: In der montanen bis hochmontanen Stufe ist zu erwarten, daß zugelassene Bestände an die lokale Schnee- und Eisbruchgefahr angepaßt sind (Kronenform).

07/08 Vogtland, Thüringer Wald und Frankenwald:

Die Herkunftsgebiete 07 und 08 weisen ein topographisch geprägtes subozeanisch bis subkontinentales Berglandklima auf.

07: Mit dem Herkunftsgebiet 07 wurde die kolline bis submontane Stufe (bis 400 m) von den höheren Lagen abgegrenzt.

08: In der montanen bis hochmontanen Stufe (über 400 m) wächst eine übergangsform zur Höhenkiefer des Herkunftsgebiets 12.

09 Thüringisch-Sächsisches Hügelland:

Im subkontinentalen Klima des Herkunftsgebiets 09 stockt eine übergangsform zwischen der Tieflandkiefer des Herkunftsgebiets 04 und der Höhenkiefer des Herkunftsgebiets 11.

10/11 Erzgebirge:

In den Herkunftsgebieten 10 und 11 herrscht ein subkontinentales Berglandklima. Die Kiefernvorkommen sind vor allem vom Grundgestein (Sandstein oder Granit) und Wasserhaushalt abhängig.

10: Mit dem Herkunftsgebiet 10 wurde die kolline bis submontane Stufe (bis 500 m) von den höheren Lagen abgegrenzt.

11: In der montanen bis hochmontanen Stufe (über 500 m) besteht Schneebruch- und Rauhfrostgefahr. Hier kommen angepaßte Höhenkiefern vor.

12 Oberes Vogtland und Nordostbayerische Mittelgebirge:

Das Herkunftsgebiet 12 zeichnet sich durch ein subkontinentales Berglandklima der submontanen-montanen Stufe aus. Die Schneebruchgefahr ist ausgesprochen gering. Hier kommt von Natur aus die 'Vogtländische Höhenkiefer' oder 'Selber Höhenkiefer' mit ihren spezifischen phänotypischen Merkmalen vor. Sie ist besonders gradschaftig, feinastig, wipfelschäftig, schmalkronig und kurznadelig und hat kurze elastische Zweige.

13 Oberrheingraben:

Das Herkunftsgebiet 13 liegt überwiegend in der planaren Stufe und zeichnet sich durch eine besondere Wärmebegünstigung aus. Die Kiefer stockt hier insbesondere auf Standorten mit subkontinentaler Tönung und auf armen Sand-, Kies- und Schotterböden. Autochthone Kiefern sind nicht bekannt. In großem Umfang erfolgten Anbauten mit gebietsfremdem Vermehrungsgut. Die 'Darmstädter Kiefer' weist ungünstige Stammformen auf und ist besonders anfällig gegenüber Schneebruch.

14 Neckarland und Fränkische Platte:

Das Herkunftsgebiet 14 ist subkontinental geprägt und weist geringe Niederschläge auf. Zur Schwäbischen Alb hin nehmen die Niederschlägen jedoch zu. Die kolline Stufe zeichnet sich durch eine besondere Wärmebegünstigung aus. Die Kiefer kommt hier nicht von Natur aus vor.

15 Mittelfränkisches Hügelland:

Das Herkunftsgebiet 15 ist geprägt durch ein warmes subkontinentales Klima. Auf den Sandböden des Nürnberger Reichswaldes kommt die Kiefer von Natur aus vor. Sie wurde zusätzlich durch den Menschen stark verbreitet.

16 Alb:

Das Herkunftsgebiet 16 umfaßt die Schwäbische und Fränkische Alb und weist ein rauhes, subozeanisch bis subkontinentales Berglandklima auf. Die Alb liegt überwiegend außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebiets der Kiefer.

17/18 Ostbayerische Mittelgebirge:

Die Herkunftsgebiete 17 und 18 sind geprägt durch ein subkontinentales Berglandklima, jedoch mit höheren Niederschlägen als in den Nachbargebieten, insbesondere in den Hochlagen des Bayerischen Waldes.

17: Mit dem Herkunftsgebiet 17 wurde die kolline bis submontane Stufe (bis 600 m) gegenüber den höheren Lagen abgegrenzt.

18: Das Herkunftsgebiet umfaßt die montane bis hochmontane Stufe.

19/20 Schwarzwald:

Die Herkunftsgebiete 19 und 20 weisen ein stark topographisch beeinflußtes Klima auf. Westlich exponierte Lagen sind ozeanisch geprägt mit hohen Niederschlägen und verhältnismäßig milden Wintern. Die Baar ist subkontinental getönt mit häufigen Spät- und Frühfrösten. Der West- und Südteil des Schwarzwaldes ist wärmebegünstigt.

19: In der kollinen bis submontanen Stufe (bis 600 m) sind die Bestände der Schüttegefahr ausgesetzt. Hochlagenherkünfte zeigen sich beim Anbau in dieser Stufe regelmäßig stark schüttegefährdet.

20: Das Herkunftsgebiet 20 umfaßt die montane bis hochmontane Stufe (über 600 m), in der Schneebruchgefahr besteht. Hier stocken fast alle zugelassenen Bestände der Höhenkiefer; autochthone Höhenkiefern sind schneebruchresistent.

21 Alpenvorland:

Das Herkunftsgebiet 21 ist gekennzeichnet durch die aufgrund des Alpenstaus von der Donau zu den Alpen hin zunehmenden Niederschläge und die nach Osten stärkere kontinentale Tönung, die mit einer zunehmenden Bedeutung der Kiefer einhergeht. Obwohl die Kiefer hier nicht von Natur aus vorkommt, haben sich hochwertige, angepaßte Bestände entwickelt.

22/23 Alpen:

Die Herkunftsgebiete 22 und 23 sind gekennzeichnet durch die nach Osten zunehmende Kontinentalität und die Besonderheiten des Alpenklimas. In beiden Herkunftsgebieten tritt die Alpenkiefer auf trockenen Standorten im Bereich der Prallhänge in Föhntälern, südlich exponierter Hänge und trockener Flußschotterzonen auf. Sie ist in diesem Gebiet schmalkronig und kurznadelig. Im ozeanisch getönten Bereich hat sich die Alpenkiefer als mattwüchsig und schütteanfällig erwiesen.

22: Mit dem Herkunftsgebiet 22 wird die submontane Stufe (bis 900 m) unterhalb der Inversionsgrenze gegenüber den höheren Lagen abgegrenzt. Tieflagenherkünfte sind wüchsiger als solche aus den Hochlagen des Herkunftsgebiets 23.

23: In der montanen bis subalpinen Stufe (über 900 m) überwiegen autochthone Hochlagenbestände.

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