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Nationales Inventar

Stieleiche

9. Quercus robur L. - Stieleiche

a) Allgemeine Bemerkungen

Die natürlichen Verbreitungsgebiete der beiden einheimischen Eichenarten überdecken sich größtenteils. Die Stieleiche ist in ganz Mitteleuropa verbreitet. Sie toleriert stärkere Klimaextreme, verträgt größere Winterkälte und hat eine weiter in den kontinentaleren Osten reichende Verbreitung als die Traubeneiche. Die Stieleiche tritt schwerpunktmäßig in tieferen Lagen auf und gilt gegenüber der Traubeneiche stärker als Baum der Ebenen, Auen und Täler. Im Bergland folgt sie den Bachläufen und steigt nur selten in die montane Stufe hinauf. Durch den Menschen wurde die Stieleiche in großem Umfang verbreitet.

In Herkunftsversuchen zeigt die Stieleiche eine herkunftsabhängige Variation phänotypischer Merkmale (Austrieb, Form, Wuchsleistung). Spätaustreibende und deshalb gegenüber dem Eichenwickler resistente Herkünfte stammen hauptsächlich aus Anbauten der Slawonischen Späteiche (Kroatien). Herkünfte aus dem Süden Deutschlands treiben im Norden und solche aus dem Nordwesten im Osten früher aus als dortige Herkünfte. In Norddeutschland sind des öfteren an weiter östlich angebauten westlichen Herkünften Spätfrostschäden zu verzeichnen gewesen. Genetische Analysen weisen auch auf eine stärkere kleinräumige Variation hin, die jedoch für die Abgrenzung von Herkunftsgebieten keine Entscheidungshilfen liefert.

b) Begründung für die Ausweisung der Herkunftsgebiete

01 Niedersächsischer Küstenraum und Rheinisch-Westfälische Bucht:

Das Herkunftsgebiet 01 ist gekennzeichnet durch ein ozeanisches Tieflandklima mit langer Vegetationszeit und milden Wintern. Weiter östlich angebaute Herkünfte aus diesem Herkunftsgebiet wurden z.B. im Herkunftsgebiet 03 häufig durch Spätfröste geschädigt.

02 Ostsee-Küstenraum:

Im Herkunftsgebiet 02 herrscht ein subozeanisches Tieflandklima mit einem von Nord nach Süd abnehmenden Einfluß der Ostsee. Die Standorte liegen überwiegend im Bereich der Jungmoräne.

03 Heide und Altmark:

Das Herkunftsgebiet 03 weist ein subozeanisch bis subkontinentales Tieflandklima mit nach Südosten zunehmender Kontinentalität und erhöhter Spätfrostgefahr auf. Die Standorte der Stieleiche liegen überwiegend im Bereich der Altmoräne und der jüngeren Flußablagerungen.

04 Ostdeutsches Tiefland:

Das Herkunftsgebiet 04 weist ein subkontinentales Tieflandklima mit erhöhter Spätfrostgefahr auf. Die Stieleiche stockt vornehmlich auf Grundmoränen und Talsanden. Sie ist neben der Traubeneiche im Herkunftsgebiet 04 von Natur aus die wichtigste Laubbaumart.

05 Mitteldeutsches Tief- und Hügelland:

Das Herkunftsgebiet 05 weist aufgrund der Lage im Regenschatten der Mittelgebirge ein subkontinentales Tieflandklima auf. Vorherrschend sind lößüberlagerte Standorte. Die Stieleiche kommt hier außer in Flußauen auch auf tonigen und trockenen Standorten vor. Sie ist neben der Traubeneiche im Herkunftsgebiet 05 die wichtigste Laubbaumart.

06 Westdeutsches Bergland:

Das Herkunftsgebiet 06 ist durch ein ozeanisch bis subozeanisches Berglandklima geprägt, wobei mit der Höhe die Fröste zunehmen. Die Standorte sind kleinräumiger gegliedert als im Tiefland.

07 Oberrheingraben:

Das Herkunftsgebiet 07 liegt überwiegend in der planaren Stufe und zeichnet sich durch eine besondere Wärmebegünstigung aus. Es wurde auch aufgrund der großen Bedeutung der Stieleiche im Auewald abgegrenzt.

08 Südostdeutsches Hügel- und Bergland:

Das Herkunftsgebiet 08 weist ein subkontinentales Berglandklima mit strengen Wintern auf.

09 Süddeutsches Hügel- und Bergland sowie Alpen:

Das Herkunftsgebiet 09 stellt topographisch bedingt ein Gebiet mit stark differenziertem subozeanisch bis subkontinentalem Klima dar. Die Standorte sind relativ kleinräumig gegliedert. Aufgrund der geringen Bedeutung der Stieleiche in den Alpen wurden diese nicht als gesondertes Herkunftsgebiet ausgewiesen.

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