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Nationales Inventar

Traubeneiche

 10. Quercus petraea (Mattuschka) Liebl. - Traubeneiche

a) Allgemeine Bemerkungen

Die natürlichen Verbreitungsgebiete der beiden einheimischen Eichenarten überdecken sich größtenteils. Die Traubeneiche ist in ganz Mitteleuropa verbreitet. Aus klimatischer Sicht ist die Traubeneiche anspruchsvoller als die Stieleiche. Der ausgleichende ozeanische Einfluß spielt eine größere Rolle, weshalb ihr Verbreitungsgebiet nicht so weit nach Osten reicht wie das der Stieleiche. Die Traubeneiche steigt jedoch im Bergland etwas höher hinauf und hat den Schwerpunkt ihrer Verbreitung auf den Sonnenhängen der kollinen bis submontanen Stufe. Während die Traubeneiche in tieferen Lagen häufig zusammen mit der Stieleiche auftritt, stokken im Bergland nahezu reine Traubeneichenbestände. Die Traubeneiche weist zudem in hohem Maße autochthone Bestände auf.

In Herkunftsversuchen wurde eine Variation phänotypischer Merkmale (Austrieb, Form, Wuchsleistung) zwischen verschiedenen Herkünften festgestellt. Austrieb, Johannistriebbildung und Abschluß zeigen eine klinale Variation von Nordwesten nach Südosten. Herkünfte aus dem Nordwesten treiben später aus als solche aus dem Südosten. An weiter östlich angebauten westlichen Herkünften der Traubeneiche wurden in Norddeutschland des öfteren Spätfrostschäden festgestellt. Herkünfte aus bestimmten Wuchsgebieten (z.B. Spessart und Pfälzerwald) weisen einen hohen Furnierholzanteil auf.

Genetische Analysen ergaben wie bei der Stieleiche eine kleinräumige Variation bestimmter Merkmale. Die Ausprägung von Stammform und Holzqualität scheint einer relativ starken genetischen Kontrolle zu unterliegen. Isoenzym-Untersuchungen lassen auf eine Rückwanderung der Traubeneiche aus westlichen und östlichen Refugien schließen.

Die regionalen Besonderheiten, die höhere Bedeutung im Bergland und der größere Anteil autochthoner Bestände der Traubeneiche begründen die gegenüber der Stieleiche differenziertere Abgrenzung der Herkunftsgebiete.

b) Begründung für die Ausweisung der Herkunftsgebiete

01 Niedersächsischer Küstenraum und Rheinisch-Westfälische Bucht:

Das Herkunftsgebiet 01 ist gekennzeichnet durch ein ozeanisches Tieflandklima mit langer Vegetationszeit und milden Wintern. Weiter östlich angebaute Herkünfte aus diesem Herkunftsgebiet wurden z.B. im Herkunftsgebiete 03 häufig durch Spätfröste geschädigt.

02 Ostsee-Küstenraum:

Im Herkunftsgebiet 02 herrscht ein subozeanisches Tieflandklima mit einem von Nord nach Süd abnehmenden Einfluß der Ostsee. Die Standorte der Traubeneiche liegen überwiegend im Bereich der Jungmoräne.

03 Heide und Altmark:

Das Herkunftsgebiet 03 weist ein subozeanisch bis subkontinentales Tieflandklima mit nach Südosten zunehmender Kontinentalität und erhöhter Spätfrostgefahr auf. Die Traubeneiche stockt hier überwiegend auf der Altmoräne.

04 Ostdeutsches Tiefland:

Das Herkunftsgebiet 04 weist ein subkontinentales Tieflandklima mit erhöhter Spätfrostgefahr auf. Die Traubeneiche stockt vornehmlich auf Endmoränen und Sandern. Sie ist hier neben der Stieleiche im Herkunftsgebiet 04 von Natur aus die wichtigste Laubbaumart.

05 Mitteldeutsches Tief- und Hügelland:

Das Herkunftsgebiet 05 weist aufgrund der Lage im Regenschatten der Mittelgebirge ein subkontinentales Tieflandklima auf. Vorherrschend sind lößüberlagerte Standorte. Die Traubeneiche ist neben der Stieleiche im Herkunftsgebiet 05 die wichtigste Laubbaumart.

06 Rheinisches und Saarbergland:

Das Herkunftsgebiet 06 mit seinem ozeanischen Berglandklima ist der mildere Teil des Westdeutschen Berglandes. Die Standorte sind kleinräumiger gegliedert als im Tiefland.

07 Harz, Weser- und Hessisches Bergland außer Spessart:

Das Herkunftsgebiet 07 mit seinem subozeanischen Berglandklima ist der kühlere Teil des Westdeutschen Berglandes. Die Standorte sind kleinräumiger gegliedert als im Tiefland. Mit der Meereshöhe nimmt die Gefährdung durch Frost zu.

08 Pfälzerwald:

Im Herkunftsgebiet 08 herrscht ein subozeanisches Berglandklima, das in Leelagen subkontinental getönt ist. Das Grundgestein des Pfälzerwaldes bildet der Buntsandstein, aus dem arme Sandböden entstanden sind. Das Herkunftsgebiet zeichnet sich gegenüber dem Herkunftsgebiet 06 durch Traubeneichen mit hohen Holzqualitäten aus. Herkunftsversuche ergaben eine deutliche überlegenheit in bezug auf Wuchsleistung und Form. Der Pfälzerwald ist ein Gebiet der klassischen Furniereichenwirtschaft.

09 Oberrheingraben:

Das Herkunftsgebiet 09 liegt überwiegend in der planaren Stufe und weist eine besondere Wärmebegünstigung auf. Die Traubeneiche stockt hier insbesondere auf trockenen Standorten.

10 Spessart:

Im Herkunftsgebiet 10 herrscht ein subatlantisches Berglandklima. Das Grundgestein des Spessart besteht überwiegend aus Buntsandstein und kristallinem Material, aus denen wasserdurchlässige Böden entstanden sind. Die Traubeneiche zeichnet sich hier durch hervorragende Holzeigenschaften aus. Der Spessart ist ein Gebiet der klassischen Furniereichenwirtschaft.

11 Fränkisches Hügelland:

Das Herkunftsgebiet 11 ist geprägt durch ein warm-trockenes subkontinentales Klima und reichere schwere Böden. Das Fränkische Hügelland ist ein Schwerpunkt der natürlichen Verbreitung der Traubeneiche mit weitgehend autochthonen Beständen.

12 Südostdeutsches Hügel- und Bergland:

Das Herkunftsgebiet 12 weist ein subkontinentales Berglandklima mit strengen Wintern auf.

13 Süddeutsches Mittelgebirgsland sowie Alpen:

Das Herkunftsgebiet 13 stellt topographisch bedingt ein Gebiet mit stark differenziertem subozeanisch bis subkontinentalem Klima dar. Auch die Standorte sind relativ kleinräumig gegliedert. Aufgrund der geringen Bedeutung der Traubeneiche in den Alpen wurden diese nicht als gesondertes Herkunftsgebiet ausgewiesen.

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